Den folgenden Monat ging ich dann auf Reisen nach Italien und Deutschland. Zwei Wochen Strandurlaub auf dem Campingplatz meiner Kindertage mit anschließendem einwöchigem Heimaturlaub in Bayern. Wie es sich wohl anfühlen würde, nach fast einem Jahr wieder in Europa zu sein?
Leider erwischte mich beim Hin- und Rückflug jeweils der Flugteufel durch Verspätungen, zeitweiligem Kofferverlust und dann zog ich noch das große Los und hatte im Hauptgewinn einen Polizeieinsatz. Der Weg nach München über Beijing: Aufgrund schlechten Wetters startete mein Flieger mit 2 h Verspätung in Changchun und meine Umstiegs Zeit von 2,5 h in Beijing schmolz somit auf 0,5 h zusammen. Kurz vor der Landung kam die Stewardess auf mich zu, ich sei ja auf den München Flug gebucht und um diesen noch erreichen zu können sollte ich jetzt gleich nach vorne gehe um den Spurt zum Anschluss Gate starten zu können. Und so war es dann auch: Nachts um 1:10 Uhr sprintete ich filmreif durch den Beijinger Flughaften und kam völlig verschwitz und mit rotem Kopf um 1:30 Uhr kurz vor Boardingschluß am Gate an. Geschafft, Umstieg in einer absoluten Rekordzeit bei solch einem großen Airport. Allerdings mein Koffer hatte es nicht geschafft und so strandete ich am frühen Morgen ohne Gepäck, ausschließlich der kleine Trolley mit dem allernötigsten half mir aus der Not. Am Schalter teilte mir dann mit, dass mein Koffer wohl am Abend landet und mir dieser am nächsten Tag zugestellt werden könnte. Allerdings wollte ich am nächsten Tag bereits in Italien sein. Das erforderte ein Planänderung: Am nächsten Morgen von Gaimersheim Richtung Italien einmal beim Airport rum und den Koffer einpacken. Hat wunderbar funktioniert und somit war der zeitweilig verloren geglaubte Koffer gar kein Problem. Die zwei Wochen auf Capalonga mit meinen Eltern waren dann herrlich: Großteils sonniges Wetter, klares Meer, langer Sandstrand und natürlich leckeres italienisches Essen. Den ersten Tag hatte ich allerdings ein Sprachenwirrwarr im Kopf. Sollte ich jetzt JA, YES, 对 DUI oder SI sagen?! Und auch die massige Auswahl an Wurst, Käse und sonstiger italienischen Spezialitäten überforderte mich.
Die Zeit in Bayern verging dann gefühlt sehr rasch. Ich hatte mir einige Termine bei Ärzten und Co. organisiert und freute mich sehr auf die Wiedersehen mit Freunden und Bekannten. Analog Italien, auch in Deutschland überforderte mich im Supermarkt das Angebot. All die Lebensmittel, welche ich gerne esse, aber in China nur schwer zu kriegen sind oder dann aufgrund des Imports sehr teuer, gibt es dort in Hülle und Fülle zu günstigen Preisen. Ich mag chinesischen Essen wirklich sehr, aber deutsches Essen ist einfach Heimat. Ich war mir dieser Situation gar nicht bewusst. Ich kann jetzt wirklich jeden Auswanderer verstehen, welcher im Wahl Land seine heimischen Zutaten zusammensucht und das Essen seiner Kindheit kocht.
Meine Rückreise war dann noch spannender als meine Anreise. Da mein Flugtag auf das erste Ferienwochenende in Bayern fiel, fuhr ich sehr frühzeitig Richtung Münchner Airport. Gut gelaunt saß ich im Auto und hörte Radio und da ereilte mich dann die Hiobsbotschaft: Aufgrund eines Polizeieinsatzes wurde das Terminal II gesperrt, aktuell kein Check IN, kein Boarding, keine Landungen und keine Starts. Da fliege ich einmal im Jahr nach Deutschland und dann das! Ich malte mir schon wieder die verrücktesten Szenarien aus, würde nie mehr nach China zurückkommen, beruhigte mich doch dann wieder sehr schnell. Das Terminal II war völlig überfüllt, das Gewusel der Menschenmassen kam mir wie Ameisenarmeen vor. Dann kam die Durchsage, alle Inlandsflüge müssen auf die DB umsteigen. Doch mein Landstreckenflug wollte laut Anzeige nur mit einstündiger Verspätung starten. In der Realität hoben wir dann erst zweieinhalb Stunden später ab und mein Anschluss Flug nach Changchun war dahin. In Beijing gelandet erhielt ich dann die Info, dass ich bereits auf den nächsten regulären Flug der Airline umgebucht sei. Das war dann der Abendflug mit Start 19:55 Uhr, nur blöd, dass ich am Vormittag gegen 07:30 Uhr gelandet bin. Was sollte ich nun tun? Den gewonnen Tag in Beijing nutzen und in die City für Sightseeing & Shopping? Nein, ich war einfach nur noch foxy und wollte duschen und dann schlafen. Ein Hotel in der Nähe nehmen? Nein, das war mir zu unsicher. Zum Schluss verschlafe ich noch und verpasse dann selbstverschuldend den Flug. Also entschied ich mich die Gestrandete am Flughafen zu sein. Mein Abendflug hob pünktlich ab und also ich endlich des Nachtens nach gut 36 Stunden Reisezeit in Changchun von meinem geliebten Ehemann abgeholt wurde, war die Welt wieder in Ordnung. Übrigens, mein Gepäck kam dieses Mal problemlos mit.
Rückblickend verstrichen die drei Wochen viel zu schnell. Allerdings fühlte sich die Zeit der Abwesenheit nicht wie fast ein Jahr an. Ich denke, dass war der Jahreszeit „geschuldet“. Wir haben damals im Sommer Deutschland verlassen und jetzt kam ich wieder zur Sommerzeit. Klar, es gab schon die ein oder andere Veränderung, welche mir den Cut aufzeigte. Aber gefühlt eben nicht wie ein Jahr. Ich stelle fest, der Mensch ist einfach ein Gewohnheitstier.





